Felss Gruppe nutzt eigene Schnittstelle

Führen komplexe Herstellungsprozesse automatisch zu einer komplizierten Bedienung der Anlagen? – Die Maschinenbauer von Felss Burger beantworten diese Frage, die weitreichende Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit hat, mit einer eigenen standardisierten Softwareoberfläche. Sie vereinfacht die Handhabung von numerischen oder speicherprogrammierbaren Steuerungen vielachsiger Anlagen erheblich. Ihr gebündeltes Know-how nutzt die Unternehmensgruppe an vielen Stellen: So hat Felss Burger zuletzt auch das Human-Machine Interface der neuen Rundknetmaschinen-Generation mit der eigenen Software versehen. Die Anwender profitieren von Maschinen und Anlagen, die sich leicht erweitern lassen und deren Teilespektrum immer umfangreicher wird.

Bereits 1989 baute Felss Burger eine erste Anlage, die über einen Walzenvorschub und einen numerisch gesteuerten Antrieb verfügte (Numeric Controll, NC). Nur zwei Jahre später verketteten die Ingenieure des Unternehmens für eine Neukonstruktion bereits 25 NC-Achsen mithilfe einer zugelieferten Vielfachsteuerung. Anfang 1996 konstruierten sie dann erstmals eine Rohrbiegeanlage mit insgesamt 50 Achsen, die mithilfe von NC-Technologie gesteuert wurden. Im Jahr 2000 entschieden sich die Maschinenbauer dann dafür, zu einem neuen Steuerungshersteller zu wechseln, den die Kunden der Automobilbranche besser akzeptierten. Allerdings brachte die Entscheidung auch einen handfesten Nachteil: Die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine (Human-Machine Interface, HMI) des neuen Steuerungsherstellers war für klassische Werkzeugmaschinen ausgelegt und konnte nur im geringen Umfang angepasst werden. „Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir auf eine externe Software gesetzt, die nach unseren Wünschen und Vorgaben zugeschnitten wurde. Das war nun nicht mehr möglich. Vor dem Hintergrund haben wir mit der Entwicklung einer eigenen Bediensoftware für unsere Anlagen begonnen“, erklärt Karl Haug, Teamleiter Support bei Felss Burger.


Keine Programmierkenntnisse erforderlich

Seitdem verfügen die Allgäuer Maschinenbauer über die „Steuerungs- und Programmieroberfläche Burger“ (SPOB) – eine eigene Software, die vor allem auf eine einfache Bedienbarkeit und Flexibilität setzt (bitte beachten Sie Grafik 1, 2 und 3). „Wer neue Daten einpflegt, benötigt dafür keine Programmierkenntnisse“, so Markus Preisinger, Teamleiter Softwareentwicklung. In den Programmassistenten, der Bestandteil der SPOB ist, müssen nur wenige Daten eingegeben werden: die Raumkoordinaten des Rohrrohlings, die gewünschte Biegerate und Angaben zum Prozessablauf innerhalb der Anlage. „Wir haben in den vergangenen Jahren viel positives Feedback bekommen. Die Anwender beschreiben die Oberfläche als leicht verständlich. Natürlich muss man über ein gewisses Know-how verfügen, was den Biegeprozess eines Rohres betrifft. Dann ist es aber ohne Aufwand möglich, mithilfe der Software die Produktion für ein neues Bauteil mit veränderten Maßen auf einer ansonsten unveränderten Anlage zu starten.“


Teilespektrum lässt sich schnell erweitern

Die Vorteile der Anlagen von Felss Burger mit der eigenen Steuerungssoftware SPOB liegen auf der Hand: Die Flexibilität steigt in jeder Hinsicht. Ohne Umbau lassen sich innerhalb einer Maschine verschiedene Bauteile mit unterschiedlichen Maßen herstellen. Auch kleinere Losgrößen sind unproblematisch. „Man könnte sagen, dass sich das Teilespektrum einfach erweitern lässt, ohne dass es dafür den Maschinenbauer braucht“, verdeutlicht Preisinger. „Und wenn doch einmal ein Eingriff unserer Experten gefragt ist, können wir per Fernwartung von Nesselwang aus alle Funktionen aus den weltweit arbeitenden Maschinen nachvollziehen und bearbeiten.“ Für Stammkunden ergibt sich nebenbei noch ein weiterer Vorteil: Unabhängig von der eingesetzten Steuerungstechnik bietet jede Anlage das gleiche Erscheinungsbild. Die Anwender sind auch bei neuen Maschinen mit der Steuerung vertraut.


Neue Anlagengeneration von Felss profitiert

Das Know-how der Softwareexperten kommt längst schon an anderer Stelle in der Felss Gruppe zum Einsatz. Bestes Beispiel ist der neue Anlagentyp „Generation e“. Ihre herausragenden Eigenschaften bei der Kaltumformung von Rohren: kurzfristig anpassbare Losgrößen, erweiterbare Fertigungsanlagen und nicht zuletzt eine einfache Prozesskontrolle. „Es besteht kein Zweifel: SPOB hat bei der Entwicklung von ‚Generation e‘ eine wichtige Rolle gespielt. Die Anlagen sind ein modulares System, das sich flexibel an die Produktionsanforderungen des Anwenders anpassen lässt. Ausbau und jede Veränderung sind einfach möglich“, bestätigt Winfried Richter, der Geschäftsführer des Unternehmens.

Bild 1

Bild 1: Felss Burger Geschäftsführer Burghard Schneider vor der Steuerungssoftware SPOB

Grafik 1: PA 7-Kopf, SPOB Felss Burger

Grafik 2: MO Frettage, SPOB Felss Burger

Grafik 3: 3D-Simulation COBRA, SPOB Felss Burger

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