Wirtschaft

Pro und Contra: Internationale oder lokale Zulieferer wählen?

Mit dem richtigen internationalen Lieferanten können Automobilhersteller erhebliche Kosten sparen. Allerdings hat die Corona-Pandemie eindringlich gezeigt, wie schnell globale Lieferketten ins Stocken geraten. Sollten Firmen also doch lieber mit lokalen Zulieferern arbeiten? Eine Analyse.

Was einen guten Lieferanten auszeichnen sollte

Freier Markt und Globalisierung machen es möglich: Der kleine Zuliefererbetrieb in der Provinz konkurriert mit Werken in Rumänien oder einer chinesischen Metropole. Bei der Wahl der Zulieferer müssen Automobilhersteller diverse Faktoren berücksichtigen. Zu den wichtigsten zählen Verlässlichkeit, Liefergeschwindigkeit, Preisniveau, Qualität, Innovation und Flexibilität in der Zusammenarbeit. Auch Nachhaltigkeit ist mittlerweile ein Muss im Anforderungskatalog an eine optimale Supply Chain. Weder lokale, noch globale Partner erreichen in allen Bereichen Bestnoten.

Verlässlichkeit und Liefergeschwindigkeit

In Zeiten von Just-in-time-Produktion und globalem Wettbewerbsdruck ist ein reibungsloser Ablauf in der Supply Chain wichtiger denn je. Verzögerungen in der Produktion verursachen minütlich Mehrkosten und verärgern Endkunden, die immer weniger Toleranz für Planungsfehler haben. Lokale Lieferanten punkten hier mit kurzen Transportwegen.

Mit jedem Kilometer und jeder Landesgrenze, den die Ware weniger zurücklegen muss, sinkt das Risiko von Verzögerungen beim Verladen und Transport. Der regulatorische Aufwand durch den Import von Komponenten aus Staaten außerhalb der EU ist zudem deutlich höher als bei einer Zusammenarbeit mit lokalen Lieferanten. Gleichzeitig minimieren Unternehmen so Hürden durch Zollkontrollen.

Nicht immer sind allerdings lokale Lieferanten anspruchsvollen Lieferanforderungen gewachsen. Internationale Konzerne haben dagegen das Know-how und die Strukturen, um verlässliche und schnelle Lieferungen zu gewährleisten – auch wenn die Logistik- oder Rohstoffsituation an den Weltmärkten einmal schwierig wird.

Preisniveau

Ein Hauptargument für internationale Lieferanten waren und sind die niedrigeren Kosten. Durch die globalen Inflations- und Konjunkturunterschiede profitieren Unternehmen von massiven Einsparungen, wenn ihre Lieferanten in Ländern mit niedrigerem Preisniveau fertigen. Es bleibt mehr Budget, um zum Beispiel in Zusatzservices oder Innovationsarbeit zu investieren. Der Kostenvorteil wird allerdings durch die teils erheblichen Transportkosten relativiert. Auch Währungsrisiken, Zölle und Handelsgeheimnisse müssen miteinkalkuliert werden, um den tatsächlichen Kostenvorteil zu berechnen.

Bei lokalen Zulieferern sorgen allein die Lohnkosten dafür, dass Anbieter im weltweiten Vergleich preislich nicht konkurrieren können. Allerdings sparen Unternehmen Transportkosten und können von einfachen Kommunikationswegen ausgehen. Je nach Branche sind bestimmte Rohstoffe allerdings nicht lokal verfügbar, sodass sich die Risiken von langen Transportwegen nicht immer vollständig ausräumen lassen.

Qualität und Innovation

Made in Germany steht immer noch für Qualität. Lokale Lieferanten können sich mit erstklassiger Fertigungsqualität gegenüber internationalen Wettbewerbern durchsetzen. Eine Reihe von Hidden Champions, die die deutsche Industrie beliefern, haben ihren Sitz in Deutschland. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass Unternehmen eine wesentlich größere Auswahl an Dienstleistern haben, wenn sie sich für internationale Partner öffnen. Viele von ihnen bieten ein attraktiveres Gesamtpaket als die vermeintlich naheliegenden Qualitätsführer aus Deutschland.

Niedrige Kosten bedeuten nicht mehr zwangsläufig niedrige Qualität. Früher hieß es: Werke in Asien und Südosteuropa würden deutsche Qualitätsanforderungen nicht erreichen. Mittlerweile ist diese Aussage nicht mehr haltbar. Vor allem, wenn die Standorte Teil eines internationalen Konzerns sind, der die Zusammenarbeit koordiniert, können sich Unternehmen auf angegebene Zertifizierungen und Qualitätsstandards verlassen.

Viele Länder mit niedrigen Produktionskosten wie China haben sich in bestimmten Nischen über die Jahrzehnte sogar zu Innovationszentren entwickelt. Sowohl dortige als auch internationale Konzerne nutzen die Rahmenbedingungen, um neue Techniken zur Marktreife zu bringen und sie europäischen Unternehmen zu moderaten Preisen anzubieten. Wer mit lokalen Lieferanten zusammenarbeitet, müsste für vergleichbare Standards oft mehr als das Doppelte zahlen.

Flexibilität in der Zusammenarbeit

Ein globaler Partner punktet mit differenzierten, effektiven Strukturen. Was bei der Liefergeschwindigkeit ein Vorteil ist, kann im Bereich der Kundenbetreuung ein Nachteil sein. Kommunikationswege sind starr und unflexibel. Teilweise sorgen kulturelle Differenzen dafür, dass Absprachen misslingen oder Termine nicht eingehalten werden. Wenn Unternehmen mit wechselnden Ansprechpartnern arbeiten müssen, die nicht eigene Muttersprache sprechen, wird das zu einer zusätzlichen Hürde, die die kosteneffiziente, verlässliche Supply Chain gefährdet.

Kleinere lokale Anbieter der DACH-Region profilieren sich dagegen häufig über ihren Kundenservice. Sie sind in der Regel einfacher telefonisch erreichbar, bieten teils großzügige Support-Regellungen an und sind in der Lage, Änderungsbedarfe auch kurzfristig umzusetzen. Außerdem entfallen Sprachbarriere und kulturellen Differenzen.

Nachhaltigkeit

In der Automobilindustrie sind einige Rohstoffe nicht regional vorhanden, lange Lieferketten mitunter unvermeidbar. Auch lokale Zulieferer können so eine kritische CO₂-Bilanz aufweisen. Viele globale Partner wirtschaften ressourcenschonender als regionale Zulieferer, einige produzieren nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip oder anderen Ansätzen der Kreislaufwirtschaft. Regional ist nicht per se nachhaltiger.

Internationale Zertifizierungen wie ISO sind zudem eine Möglichkeit, um verbindliche Standards für die Zusammenarbeit zu setzen. Auszeichnungen und freiwilliges Engagement von Zulieferern geben zusätzlich Hinweise, welchen Stellenwert der Partner Nachhaltigkeit einräumt.

Zur Nachhaltigkeit gehört es auch, soziale Verantwortung zu übernehmen und keine Zulieferer zu unterstützen, die Arbeitsplätze zu menschenunwürdigen Bedingungen schaffen. Endkunden in Europa erwarten zunehmend und zurecht von Unternehmen, dass sie die Notlage von Menschen in anderen Teilen der Welt nicht ausnutzen. Zu Beginn der Industrialisierung fehlte das Bewusstsein für Arbeitsschutz, fehlten Arbeitnehmerrechte. Heute sind Wirtschaft und soziale Verantwortung untrennbar miteinander verbunden.

Fazit: Internationale Zulieferer liegen im Vergleich vorn, wenn die Rahmenbedingungen stimmen

Unsere Übersicht hat gezeigt: Es gibt gute Gründe sowohl für lokale als auch für globale Partner als Zulieferer. Jede Entscheidung hat ihre Vor- und Nachteile. Allerdings lassen sich die Nachteile von globalen Zulieferern wie Risiken durch lange Transportwege oder Qualitätsbedenken mittlerweile minimieren, wenn Unternehmen internationale Partner strategisch auswählen. Und zwar so, dass sie das Beste aus beiden Anbieterwelten erhalten.

Unbekannte Lieferanten für Kaltumformung aus Asien sind sicherlich nicht die beste Wahl, um als Automobilhersteller eine verlässliche Supply Chain zu etablieren. Anders sieht es jedoch bei Konzernen wie Felss aus. Wir haben unseren Hauptsitz im DACH-Raum, betreiben aber Werke sowohl in Deutschland, der EU als auch außerhalb von Europa.

Wir bieten unseren Kunden Stabilität, können logistische Herausforderungen leichter abfedern, verfügen über langjährige Erfahrung und haben Strukturen, um innovative Methoden kosteneffizient einzusetzen. Als internationaler Konzern verbinden wir die konkurrenzfähigen Preise aus unseren Werken in Niedriglohnländern mit den hohen Qualitätsstandards und der persönlichen Betreuung, die Unternehmen von lokalen Lieferanten erwarten.